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Marktentwicklung

Der antizyklische Kapitalpuffer wird reaktiviert

Am 26. Januar 2022 hat der Bundesrat den antizyklischen Kapitalpuffer für Banken reaktiviert und auf 2.5% erhöht. Was erhofft er sich davon und mit welchen Auswirkungen müssen Banken und Kunden rechnen?

Emil Meier Emil Meier, 27. Januar 2022

Worum geht es?

Der antizyklische Kapitalpuffer wurde als präventive, makroprudenzielle Massnahme zur Finanzstabilität im Rahmen von Basel III etabliert. Das Instrument steht seit 01.07.2012 zur Verfügung. Für dessen Aktivierung stellt die Schweizerische Nationalbank (SNB) nach Rücksprache mit der Finanzmarktaufsicht (finma) einen Antrag an den Bundesrat.

Die in Kraft stehenden Massnahmen wurden im Frühjahr 2020 wegen der weltweit um sich greifenden Auswirkungen der Corona-Pandemie aufgehoben. Bis zu diesem Zeitpunkt betrug der Puffer 2%. D. h. dass die Banken die Hypothekarausleihungen auf Wohnliegenschaften mit bis dahin zusätzlichen 2% Eigenkapital zu hinterlegen hatten. Die Wirkung ist, dass sich dadurch Hypothekargeschäfte verteuern, womit sich ein Nachfragerückgang einstellt.

 

Was hat sich ereignet?

Die Corona-Pandemie hat unseren Alltag in den letzten zwei Jahren deutlich durcheinandergebracht. Wie wir aber feststellen, ist die Konjunkturentwicklung in der Schweiz sehr resistent geblieben. Dank Homeoffice, den durch die National- und Zentralbanken mit Liquidität gefluteten Märkten und dem offenbar generellen Bedarf an mehr Wohnfläche hat der Immobilienmarkt einen wahren Boom erlebt. Entsprechend sind die Preise für die Objekte gestiegen, wie nachstehende Graphiken aus der «Metaanalyse Immobilen Schweiz» von Fahrländer und Partner zeigen (Ausgabe Jan./2022).

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Quelle: BFS, Fahrländer Partner, IAZI, Wüest Partner.

Wie ist die Inkraftsetzung zu beurteilen?

Der Bundesrat hat am 26.01.2022 beschlossen, den antizyklischen Kapitalpuffer mit 2.5% der risikogewichteten Positionen, bei denen eine Wohnliegenschaft im Inland als Sicherstellung dient, zu aktivieren. Als Konsequenz müssen die Banken bis 30.09.2022 diese Ausleihungen mit zusätzlichen 2.5% Eigenkapital unterlegen.

Das gesamte Hypothekarvolumen der Banken hat mittlerweile ein Volumen von über CHF 1'100 Mrd. erreicht. Nebst den Banken vergeben auch andere Institute wie Versicherungen, Pensionskassen, Family Offices, etc. Hypotheken. Dadurch sind die gesamten ausstehenden Hypotheken noch einiges höher. Als Vergleich: Das Bruttoinlandprodukt der Schweiz betrug 2020 rund CHF 706 Mrd.

Es ist zu erwarten, dass sich dadurch die Zinsen für den Endkonsumenten mutmasslich um +/- 10 Basispunkte (0,10%) verteuern. Das mag gewisse Auswirkungen auf das Volumen haben. Die Zukunft wird zeigen, ob damit die angestrebten Ziele erreicht werden. Ich habe meine Skepsis.

Emil Meier
Emil Meier
CEO