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Die Facts aus der Sourcing Studie 2021

Ende August wurden die Resultate der neusten Sourcing Studie des IFZ präsentiert. Die Banken wollen ihr Sourcing vor allem im IT-Bereich ausbauen und stärker auf Ökosysteme setzen.

Andrea Elmer Andrea Elmer, 08. September 2021

Sourcing nimmt zu

Anfangen bei den Basics: Die Banken sind dem Outsourcing bestimmter Dienstleistungen nach wie vor positiv gesinnt und sie rechnen mit einer moderaten Zunahme der Sourcing-Kosten in den kommenden fünf Jahren. Ihr Kernbusiness wie auch ihre Kernkompetenzen wollen sie weiter im Bereich beratender Tätigkeiten verankern, mit reinen Verarbeitungsprozessen können sie sich heute nicht mehr differenzieren.

Interessanterweise sind die Banken gegenüber einer Auslagerung der Kreditverarbeitung noch immer kritisch eingestellt. Gerade einmal 27% von ihnen denken darüber nach, in diesem Bereich mehr externe Dienstleistungen zu beziehen. Und das, obwohl die Kreditverarbeitung nicht zu ihrer Kernkompetenz gehört und sie sich sowohl gut auslagern wie auch stark automatisieren liesse. Über die Gründe kann hier nur spekuliert werden: Hypotheken sind nach wie vor das traditionellste und in einigen Banken auch das tragendste Angebot. Wird die Kreditabwicklung ausgelagert, ändern sich alteingesessene Strukturen und Prozesse oder verschwinden intern sogar ganz.

Ganz anders sieht es bei den IT-Themen aus: Dort rechnen die Banken damit, diese in Zukunft noch stärker an externe Dienstleister auszulagern. Zu den zentralen Themen in diesem Bereich gehören Cyber-Security, allgemeine Digitalisierungsprojekte sowie die Auslagerung von Services und Daten in die Cloud.

Das grosse Zukunftsstichwort ist nach wie vor das Ökosystem: «Ein Ökosystem ist ein Netzwerk von Partnern, welche ausgerichtet auf die Schaffung von Kundenmehrwert auf vielfältige Weise interagieren, sich gegenseitig beeinflussen und mit ihren Produkten und Dienstleistungen oder einzelnen Teilen davon an dessen wirtschaftlichem Erfolg partizipieren.» So wird es an der Tagung definiert. Perfekte Beispiele für ausserordentlich rentable und gut funktionierende Ökosysteme sind die grossen US-Internetkonzerne. Sie vereinen intelligente Geschäfts- und Preismodelle mit einer klar definierten Governance, einfach zu bedienender IT und einem starken Netzwerkeffekt. Nach ihrem Beispiel bemühen sich jetzt auch Schweizer Konzerne, intelligente Ökosysteme zu schaffen, zum Beispiel rund um das Thema «Wohnen».

In diesem Thema könnte gerade im Kreditbereich die Wertschöpfungskette noch stärker aufgebrochen werden, so dass viele verschiedene Partner jeweils jene Services beisteuern, die sie am besten beherrschen und worin sie entsprechend am effizientesten und kostengünstigsten sind. Strategisch würde dies gemäss IFZ folgendermassen aussehen:

sourcing bild transparent

Bildquelle: IFZ

Ziel: Intelligente Ökosysteme

Allerdings ist bisher ein klarer Fokus auf Ökosysteme noch nicht auszumachen, sie werden eher als «erweiterte Internetanbieter» wahrgenommen. Zudem fehlt es an Schnittstellen, die eine automatisierte und durchgängige Abwicklung ermöglichen würden. Und bisher blieb auch die zündende Idee noch aus – hier gäbe es also noch einiges an Potenzial, das ausgeschöpft werden könnte. Gelingen werden Ökosysteme aber sowieso erst, wenn die Banken sich nicht im Zentrum, sondern als partizipierende Dienstleister unter anderen verstehen – der Fokus muss sich noch viel stärker auf den Kundennutzen verschieben.

Allgemein lässt sich sagen, dass der Markt enorm im Umbruch ist. Eine Vielzahl an neuen Firmen und Start-ups mit unterschiedlichen Fintech-Ideen schiessen empor und es ist nicht ausgeschlossen, dass eine gewissen Konsolidierung stattfinden wird. Jene Firmen werden überleben, die ein skalierendes Geschäftsmodell aufweisen und es zu einer gewissen Grösse bringen.

Grundsätzlich aber ist klar: Sourcing gewinnt zunehmend an Bedeutung – gerade im Rahmen von Ökosystemen. Zeit also, dass auch wir noch stärker in Ökosystemen denken und uns mit entsprechenden Partnern vernetzen.

Andrea Elmer
Andrea Elmer
Kommunikation