Retailbanking
MarktentwicklungSourcing

Die Zukunft des Retail Bankings

An der Retail Banking Konferenz ist wieder klar geworden: Die Zukunft gehört dem Sourcing, intelligenten IT-Systemen und innovativen Partnerschaften.

Emil Meier Emil Meier, 10. Januar 2022

Die Resultate der Retail Banking Konferenz

Retailbanken sind immer noch beliebt und finden weiterhin breite Akzeptanz, wie die Studie der Hochschule Luzern zeigt. An der entsprechenden Konferenz vom November 2021 wurden umfangreiche, teilweise überraschende Umfrageresultate präsentiert.

In Bezug auf das Sourcing, das uns als Kreditfabrik besonders interessiert, ziehen die Autoren folgendes Fazit aus der Umfrage, an der jährlich eine stattliche Anzahl Banken und Bankkunden teilnehmen:

  1. Sourcing ist eine Option, die strategisch immer wichtiger wird. Unter anderem wird die Verarbeitung deutlich weniger als Kernkompetenz gesehen, zumal Plattformen den Wettbewerb und den Preisdruck beschleunigen.

  2. Erfolgreiche Ökosysteme setzen Offenheit und Innovation voraus. Beide Faktoren zählen laut den Autoren nicht zu den charakteristischen Stärken der Schweizer Banken und es braucht somit ein Umdenken bzw. eine «geistige Neuausrichtung».

  3. Sourcing wächst mit den Ökosystemen. Die Erkenntnis, dass man nicht mehr alles selber machen muss, ist der erste richtige Schritt in die Zukunft. Der weiter zunehmende Kostendruck wird seinen Beitrag zur Öffnung leisten, ganz nach dem Motto «reduce to the max». 

Neben dem Sourcing gibt es einen weiteren, dominierenden Themenbereich: die Daten bzw. der Umgang mit ihnen. Daten sind das Öl unserer digitalen Zeit. Banken haben über ihre Kunden sehr umfangreiche Informationen, insbesondere dann, wenn die Kunden Objektfinanzierungen haben und/oder Anlagegeschäfte tätigen. Umso erstaunlicher ist, dass diese goldwerten Daten nicht konsequent und systematisch für weitere Geschäfts-Opportunitäten genutzt werden.

Wie man Daten zielorientiert nutzen kann, zeigte Samir Boualla, Chief Data Officer der ING Bank France, auf sehr verblüffende Art. Der Umstand, dass diese Bank seit rund zehn Jahren die Datenanalysen konsequent auf- und ausbaut, macht zudem klar, dass das Thema sehr anforderungsreich ist und Zeit braucht.

Innovative Partner für zielgruppenspezifische Angebote und Automatisierung

In weiteren Präsentationen wurde sehr eindrücklich vermittelt, wie fundamental sich die Bankenwelt verändert. FinTechs und BigTechs revolutionieren auch das Finanzierungsgeschäft mit ihren auf Technologie basierenden Ansätzen, die weniger personelle Ressourcen erfordern und somit mit günstigeren Produktionskosten operieren. Um in der neuen Welt dabei zu sein, ist nicht zwingend die Grösse eines Instituts ausschlaggebend, sondern es sind Innovationskraft und Geschwindigkeit.

Marianne Wildi, CEO der Hypi Lenzburg, ist das schlagende Beispiel für diese Aussage. Sie hat viele Kooperationen mit FinTechs angestossen, wobei vor allem jene mit der Partnerbank Neon hervorsticht. Die digitale Bank holt ihre Kunden vollständig digital ab und verzeichnet an Spitzentagen bis zu 2000 Online-Onboardings – währenddessen die Kunden der Hypi noch immer ein persönliches Vorgehen bevorzugen. Es zeigt sich also, dass die Banken sich an ihr Klientel anpassen müssen und sie gewisse Modernisierungen auch an Partner auslagern können.

In die Kategorie der Schnellen und Innovativen gehört zweifelsfrei auch die Thurgauer Kantonalbank, die vor kurzem die digitale Plattform «brokermarket» im Hypothekargeschäft lanciert hat. Damit soll Brokern durch die digitale Abwicklung die Arbeit vereinfacht und effizient gestaltet werden. Diese Plattform ist auch für externe Kapitalgebende offen.

Damit die Beratenden ihre Kunden effizient und kostengünstig bedienen können, braucht es eine entsprechende IT-Infrastruktur. Wie diese aussehen sollte, hat Dr. Felix Buschor von der HSLU plakativ dargestellt. Sein Beitrag kann unter diesem Link nachgelesen werden.

In die gleiche Stossrichtung ging die Präsentation von Silvan Kaufmann, einem der beiden Gründer von HypoDossier. Das Ziel von HypoDossier ist es, die Bearbeitungszeit des Hypothekardossiers dank AI auf einen Zehntel zu reduzieren – «Smart Mortgage Document Processing» nennt sich das Vorgehen. Die Kundenberatenden brauchen in der traditionellen Abwicklung viel zu viel Zeit für die Sortierung und Erfassung der Unterlagen. Beides wird in Zukunft mit IT-Lösungen automatisiert erfolgen.

Fazit

Geschäftsleitungen, insbesondere von stark im Zinsdifferenzgeschäft tätigen Banken, tun gut daran, ihre Prozesse in der Kreditvergabe zu hinterfragen. Dazu gibt es verschiedene Ansätze. Unter anderem eine Aufrüstung mit unterstützenden und entlastenden IT-Lösungen oder aber ein Outsourcing gewisser Teilprozesse in der Kreditvergabe. Zu letzterem muss die Frage gestellt werden, welche Teile des gesamten Kreditprozesses sind Key und welche können durch Drittanbieter erledigt werden, ohne dass die Kunden Einbussen irgendwelcher Art hinnehmen müssen.

Wir von der Kreditfabrik AG bieten unseren Mandanten effiziente, preisgünstige und zuverlässige Lösungen in der Abwicklung an. Unser Vorteil ist, dass unsere ganze IT-Infrastruktur und die Abwicklungsprozesse vor wenigen Jahren auf der «grünen Wiese» den heutigen Bedürfnissen entsprechend konzipiert und aufgebaut wurden.

Unser Ziel ist, dass möglichst viele Teile der ganzen Prozesskette durch intelligente Software erledigt wird. Wir sind klar der Meinung, dass aufgrund der schon seit geraumer Zeit anhaltenden Tiefzinsphase, deren Ende aktuell (noch) nicht absehbar ist, der Erfolg auf der Aufwandseite gesucht werden muss. Eine schlanke, effiziente und kostengünstige Abwicklung macht dieses Business interessant und profitabel.

Emil Meier
Emil Meier
CEO