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AutomatisierungFintech

Wie weiter nach Corona?

Die Pandemie wirkt als Katalysator der Digitalisierung – für Kreditgeber genauso wie für Kreditnehmer. Wir zeigen auf, welche Transformationsschritte jetzt unbedingt umgesetzt werden müssen.

Emil Meier Emil Meier, 14. Juni 2021

Die Pandemie hat unseren Geschäftsalltag massiv und nachhaltig verändert. Vielerorts wird die Krise auch als Katalysator bezeichnet, beispielsweise für den Bereich der Digitalisierung. Im Hypothekarmarkt paart sich der Digitalisierungsdruck mit einer extremen Transparenz, die in den letzten Jahren dank Vergleichs- und Vermittlerplattformen sowie starker Medienpräsenz entstanden ist. Dadurch sind die Zinsen sehr transparent geworden und die Margen aufseiten der Finanzierer stark unter Druck geraten. Die einzige Möglichkeit, letztere zu optimieren, besteht darin, dass die Gestehungskosten so tief wie möglich gehalten werden.

Im traditionellen – und noch immer stark manuellen – Kreditbewirtschaftungssetup sind die Spielräume für mehr Effizienz ausgeschöpft. Die einzige Möglichkeit, die Margen zu optimieren, besteht also in einer zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung der Produktion. Dies wird erreicht durch eine schlanke IT und automatisierte Prozesse. Zu den Kernkomponenten dieser Prozesse zählen digitale Daten und Dokumente, die zu Beginn strukturiert in den Workflow einfliessen, sowie die digitale Interaktion mit dem Kunden.

Die Wissenschaft empfiehlt heute traditionellen und langjährigen Anbietern im Hypothekarmarkt spätestens dann die Variante Outsourcing zu prüfen, wenn Investitionen in die eigenen Systeme anstehen ­– diese lohnen sich in der Regel angesichts des vorgenannten Preisdrucks nicht. Dies gilt vor allem für jene Anbieter, die das Servicing nicht zu ihren Kernkompetenzen zählen.

In der Retailbankenstudie der Hochschule Luzern hat sich herausgestellt, dass die Prozesse vielfach ineffizient aufgestellt sind und der Kreditentscheid durchschnittlich erst nach 60-70% der Prozessabwicklung gefällt wird. Das ist eine schmerzlich teure Erkenntnis, zumal bei weitem nicht alle Gesuche positiv beurteilt werden. Kommt hinzu, dass die Prozesse ein bis zwei Wochen in Anspruch nehmen, während die Kunden ein unmittelbares Feedback bzw. eine Offerte in Tagesfrist erwarten.

Mit der Pandemie sind digitale Vertriebsformen zusätzlich gepuscht worden und es ist heute völlig normal, ein Kreditgesuch digital zu beantragen. Das gilt für jetzige und künftige Käufergeneration gleichermassen. Es gilt also, die Gesuche genauso digital abzuwickeln und damit den ganzen Prozess durchgängig und effizient zu gestalten. Gefordert sind damit nicht die Konsumenten – sie sind bereits sehr IT-affin und vertraut mit digitalen, benutzerfreundlichen Onboardingprozessen –, sondern die Finanzierer und Servicer.

Die Zukunft in diesem Geschäft ist digital – das hat sich vor Corona bereits abgezeichnet und zeigt sich in und nach der Krise in aller Deutlichkeit.

Emil Meier
Emil Meier
CEO